17/11 2011

Sekundenschlaf und nun?

Leistung und Schlaf ist das große Thema seit Beginn der Schlafmedizin. In den vergangenen fünf Jahrzehnten konnte ein großer Beitrag zur Aufklärung der Ursachen für Sekundenschlaf und Tagesschläfrigkeit geleistet werden. Ob es die schlafbezogenen Atmungsstörungen sind oder die Bewegungsstörungen im Schlaf: Die meisten schlafmedizinischen Erkrankungen, die zu vermehrter Schläfrigkeit und Einschlafneigung in Monotonie führen, können diagnostiziert und therapiert werden. In der Diagnostik werden allerdings oft die verhaltensinduzierten Schlafstörungen nicht ausreichend anamnestisch ausgeschlossen. Diese Störungen sollten nach den Regeln der 1960er Jahre durch das Führen von Schlaftagebüchern ausgeschlossen werden. Doch allen Ernstes: Wer führt schon Schlaftagebücher, wenn eine einfache schlafbezogene Atmungsstörung, möglichst noch ambulant, ausgeschlossen werden soll. Meist wird eine ultrakurze, sehr „schnarchspezifische“ Anamnese durchgeführt, Verhalten wird meist nicht abgefragt. Diese Entwicklung, bedingt u. a. durch den Zeitdruck in der Praxis und im Krankenhaus und der zusätzlich geringe Erlös für diese Leistung wirken sich negativ aus: 1. Ökonomisch werden viele unnötige Untersuchungen durchgeführt, die die Kosten steigern. 2. Gesundheitsschädigendes Verhalten, das zu langfristig vermeidbaren Folgeerkrankungen führt, wird nicht erkannt. Wieso Folgeerkrankungen? Wir wissen seit einigen Jahren, dass zu kurze Schlafdauer (meist unter ca. fünf Stunden mehrmals pro Woche) zu Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-Erkrankungen, Schlaganfall und erhöhtem Sterblichkeitsrisiko führen kann. Auch das Übergewicht wird mit mangelndem Schlaf in Verbindung gebracht. 

Es ist also wichtig, im Vorfeld mittels gründlicher Anamnese die Weichen zu stellen. Der Arzt muss sich über die langfristigen Folgen einer unterlassenen gründlichen Befragung zu den Schlafgewohnheiten im Klaren sein, der Patient mit Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf muss sich über seinen notwendigen Schlaf Rechenschaft ablegen und sich an einen geregelten Schlaf-wach Rhythmus halten. Die schöne Diagnose eines „verhaltensinduzierten Schlafmangelsyndroms“ sollte entsprechend eine Renaissance erfahren und Schlaftagebücher wieder populär werden. Wenn wir diese einfachen Regeln beachten, machen wir es uns in unserem Arzt-Patient oder Schlafspezialist-Patient Verhältnis wieder einfacher und es wird uns auch gelingen andere, nicht schlafgebundene Phänomene zu verstehen, die mit Infektabwehr, Insulinresistenz, Essverhalten und vielem mehr zu tun haben.