Liebe Leserin, lieber Leser,
künstliche Intelligenz macht vieles möglich, auch im Bereich unseres Schlafs. Amerikanische Forscher haben ein KI-Modell entwickelt, das zukünftige (!) Erkrankungen anhand einer Analyse von Schlafdaten verblüffend genau voraussagt – und dadurch natürlich auch gezielte Vorbeugungsmaßnahmen ermöglicht. Mehr dazu in unserem ersten Beitrag.
Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden sehr oft unter schweren Ein- und Durchschlafstörungen. Aber im Grunde weiß man nicht, ob die Depression z. B. ein Symptom der Insomnie ist oder umgekehrt. Prof. Thomas Pollmächer hat sich als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und langjähriger Schlafexperte schon lange mit diesem Thema beschäftigt. Da mag es erstaunen, wenn er sagt: „Wir wissen auch nicht viel darüber, wie man Schlafstörungen bei psychischen Erkrankungen am besten behandelt – welche Medikamente da gut wirken. Und provokativ möchte ich sagen: Wir wissen eigentlich noch nicht einmal, was eine Schlafstörung ist.“ Wir fassen hier den sehr interessanten Vortrag von Prof. Pollmächer zusammen, den er im Rahmen der digitalen Vortragsreihe „Aktuelles aus Schlafforschung und Schlafmedizin“ der DGSM-Akademie gehalten hat.
» weiterlesenOb eine CPAP-Therapie vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt, darüber diskutieren Experten schon lange. Zu dieser Frage gibt es wissenschaftliche Untersuchungen mit verschiedenen Ergebnissen – die einen sagen Ja, die anderen Nein. Inzwischen sind jedoch klinische Studien erschienen, die darauf hindeuten, dass die Behandlung mit Gerät und Maske dem Herz-Kreislauf-System womöglich sogar schaden kann.
Allmählich zeigen sich immer mehr verhängnisvolle Zusammenhänge zwischen obstruktiver Schlafapnoe und den verschiedensten körperlichen und neurologischen Erkrankungen. Herz-Kreislauf-Probleme, Typ-2-Diabetes, Alzheimer, Potenzstörungen und Depressionen – all diese Krankheiten können leichter entstehen, wenn man an einer unbehandelten Schlafapnoe leidet. Eine neue Studie hat nun gezeigt, dass Schlafapnoe-Patienten auch ein höheres Risiko haben, später einmal an Morbus Parkinson zu erkranken.
Wer sich schon länger in der Schlafapnoe-Selbsthilfe engagiert, wird die Namen kennen, denn sie sind eng mit der Selbsthilfearbeit verbunden: Freddy Klahold und Hans-Dieter Weitermann. Beide sind nun verstorben. Auch das Schlafmagazin hat mit ihnen zwei Leser verloren, die von der ersten Stunde an mit Begeisterung dabei waren.
Ich wünsche Ihnen wie immer eine informative Lektüre.
Dr. Magda Antonic
6 Faszinierende Welt der KI:
Ihr Schlaf kann über 100 verschiedene Krankheiten voraussagen!
10 Schlafstörungen und
psychische Erkrankungen: ein unheilvolles Duo
16 Neue Metaanalyse mit unerwarteten Ergebnissen:
Kann CPAP das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen?
18 Schlafapnoe erhöht Parkinson-Risiko
20 Blasen eines Muschelhorns hilft gegen nächtliche Atemaussetzer
22 Was gibt’s Neues zum Thema Abnehmspritzen?
25 Kaffee und Tee:
Wachmacher, die unsere grauen Zellen jung erhalten
26 Fasten vor dem Schlaf senkt das Herz-Kreislauf- und Diabetesrisiko
28 Heiße Sommernächte – erhöhte Schlaganfallgefahr
31 Warum man nach einem Schwangerschaftsdiabetes genau
auf seinen Schlaf achten sollte
32 Die Schlafformel
Natürliche Wege zu einer erholsameren Nachtruhe
40 Flexibel statt Out-of-the-Box
Welche Betten den rückenfreundlichsten Schlafkomfort bieten
42 Warum Morgenmenschen anders trainieren sollten
als Abendmenschen
44 Bekommt Ihr vierbeiniger Freund auch genügend Schlaf?
45 KI-Bilder in der Selbsthilfearbeit –
Chancen und Risiken 45
46 Selbsthilfegruppen im Wandel der Zeit
46 Verdienstkreuz am Bande für Reinhard Wagner
47 Nachrufe 47
47 Der Schlaftipp vom Fachmann 47
48 Die Kolumne: Schlaf und Gesundheit
49 MaskentippsCPAP im Sommer:
Schlaf, Schwitzen und Maskensitz
Marion Zerbst
Ob eine CPAP-Therapie vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt, darüber diskutieren Experten schon lange. Zu dieser Frage gibt es wissenschaftliche Untersuchungen mit verschiedenen Ergebnissen – die einen sagen Ja, die anderen Nein. Inzwischen sind jedoch klinische Studien erschienen, die darauf hindeuten, dass die Behandlung mit Gerät und Maske dem Herz-Kreislauf-System womöglich sogar schaden kann.
Schon seit langem weiß man, dass eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) das Risiko für unerwünschte Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht und dass man diese Erkrankung daher nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Man sollte unbedingt etwas dagegen tun, wobei die CPAP-Therapie mit Gerät und Maske bisher als Goldstandard gilt, weil sie sich in vielen klinischen
Studien als die Behandlungsmethode mit der stärksten Wirkung auf Atemstillstände und Sauerstoffentsättigungen erwiesen hat.
Doch durch drei in letzter Zeit erschienene klinische Studien hat die goldene Ritterrüstung der CPAP-Therapie inzwischen ein paar Kratzer abbekommen: Diese Untersuchungen zeigen nämlich, dass Gerät und Maske nur in manchen Fällen vor Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen unerwünschten Ereignissen schützen, während sie das Risiko dafür in anderen Fällen sogar zu erhöhen scheinen.
CPAP nur bei Patienten mit höherem Risiko sinnvoll?
Ein interdisziplinäres Team aus Schlafmedizinern, Kardiologen und Statistikern hat eine Zusammenschau (Metaanalyse) dieser drei Studien mit über 3500 Probanden erstellt.
„Dabei entdeckten wir eine Subgruppe von Patienten, in der eine CPAP-Therapie sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirkte“, erklärt Prof. Ali Azarbarzin, der Hauptautor der Meta-analyse. Diese Patienten gehörten zu einer Hochrisikogruppe: Das heißt, bei ihnen stieg die Herzfrequenz während der Atemstillstände besonders stark an, oder das Ausmaß ihrer nächtlichen Sauerstoffabfälle war sehr hoch.
Die Autoren der Metaanalyse beobachteten die Probanden im Durchschnitt drei Jahre lang nach, um festzustellen, welche einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten oder aufgrund eines Herz-Kreislauf-Problems verstarben – und zwar mit völlig unerwarteten Ergebnissen: In der Hochrisikogruppe hatte CPAP das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall bzw. Herz-Kreislauf-
Todesfälle um 17 % gesenkt (vor allem bei den Patienten, die nicht unter Tagesschläfrigkeit litten), während es in der Niedrigrisikogruppe unter der CPAP-Therapie sogar angestiegen war, und zwar um ganze 22 %!
Eine maßgeschneiderte Therapie
Das sind verwirrende neue Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass man hinsichtlich des Nutzens einer CPAP-Therapie nicht alle Patienten über einen Kamm scheren darf. Man braucht vielmehr einen personalisierten Therapieansatz: „Statt alle Patienten gleich zu behandeln, sollten wir darüber nachdenken, ob ein Patient Hochrisiko-Merkmale aufweist. Diese Patienten scheinen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit von CPAP zu profitieren.“ Dagegen sollte man bei Niedrigrisiko-Patienten, denen CPAP nichts nützt und womöglich sogar schaden könnte, mit so einer Behandlung lieber vorsichtig sein. „Das ist der erste Schritt dazu, Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe in Zukunft bessere Therapieempfehlungen geben zu können, um ihr Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod zu senken“, erklärt Prof. Azarbarzin.
Aber wie kommt es zu diesen überraschenden Ergebnissen? Was für eine Erklärung haben die Autoren der Metaanalyse dafür? „Hochrisiko-Schlafapnoikern hilft eine CPAP-Therapie wahrscheinlich, indem sie niedrigen Blutsauerstoffspiegeln vorbeugt und das während des Schlafs überaktive sympathische Nervensystem beruhigt“, meint Prof. Azarbarzin. (Sowohl niedrige Sauerstoffwerte als auch eine Überaktivierung des sympathischen Nervensystems im Schlaf stehen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang.) „Aber Patienten, die bereits ein sehr niedriges Herz-Kreislauf-Risiko haben, scheint CPAP Nachteile zu bringen. Wir wissen zwar nicht genau, warum; aber der Therapiedruck könnte die Lungen auf eine Weise dehnen, die das Herz-Kreislauf-System belastet.“ Oder vielleicht stört eine CPAP-Therapie bei manchen Patienten auch den Schlaf; und Schlafstörungen sind ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Probleme. Genaueres weiß man bisher noch nicht.
Was tun?
Um die Tragweite der Ergebnisse dieser Metaanalyse besser einschätzen zu können, sind noch weitere Studien erforderlich. „Einstweilen“, rät Prof. Azarbarzin, „sollten Schlafapnoe-Patienten mit ihren Ärzten sprechen, um Nutzen und Risiken verschiedener Therapieoptionen gegeneinander abzuwägen.“ Schließlich gibt es für Niedrigrisiko-
Patienten ja auch noch andere Behandlungsmöglichkeiten: zum Beispiel eine Unterkieferprotrusionsschiene oder eine Positionstherapie (falls die Atem-aussetzer hauptsächlich in Rückenlage auftreten).
Quellen:
Azarbarzin, A. et. al.: „Cardiovascular benefit of continuous positive airway pressure according to high-risk obstructive sleep apnoea: a multi-trial analysis“. European Heart Journal doi: 10.1093/eurheartj/ehaf447
„Obstruktive Schlafapnoe: Kann die CPAP-Therapie das Herz-Kreislauf-
Risiko erhöhen?“ Deutsches Ärzteblatt, 19.8.2025
„Treatment for Obstructive Sleep Apnea Lowers Heart Risk for Some Patients, Increases Risk for Others“. Pressemitteilung von Mass General Brigham vom 5.8.2025
„Treatment for sleep apnoea is good for the heart in some patients but bad for others“. Pressemitteilung der European Society of Cardiology vom 6.8.2025
Marion Zerbst
Intervallfasten ist in! Viele Menschen nutzen dieses zeitlich begrenzte Fasten, bei dem man jeden Tag über ein längeres Zeitfenster auf Essen verzichtet, zum Abnehmen – und zwar meist mit Erfolg. Das liegt daran, dass der Körper während dieser längeren Essenspausen seine Fettspeicher angreift, statt Kohlenhydrate als Energielieferanten zu nutzen: Die Fettpölsterchen schmelzen dahin, und der Zeiger an der Waage schnellt nach unten.
Eine Studie mit knapp 40 übergewichtigen oder fettleibigen Erwachsenen im Alter von 36 bis 75 Jahren hat nun gezeigt, dass man damit noch viel mehr erreichen kann als eine bloße Gewichtsabnahme. Das hängt allerdings vom genauen Zeitpunkt des Fastens ab: Idealerweise sollte man in den letzten drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr essen. Insgesamt ergibt sich daraus schon eine ziemlich lange Fastenphase: nämlich Ihre Schlafdauer plus die drei Stunden Fasten vor dem Zubettgehen. Aber so schwierig ist das eigentlich gar nicht, denn wenn man schläft, hat man ja keinen Hunger. Und es lohnt sich: Denn gerade das Fasten in diesem Zeitfenster könnte, wie die oben erwähnte Studie zeigt, bei Menschen in mittlerem bis höherem Alter die Herz-Kreislauf-Gesundheit und Blutzuckerkontrolle deutlich verbessern.
Weniger Stress für Herz und Kreislauf
Schon nach einer Studiendauer von rund siebeneinhalb Wochen waren in der Gruppe der fastenden Probanden erstaunliche Veränderungen zu beobachten: Blutdruck und Herzfrequenz sanken nachts stärker als in der Gruppe, die nicht gefastet hatte. Dieses nächtliche Absinken des Blutdrucks (das man im medizinischen Fachjargon als „Dipping“ bezeichnet) ist sehr positiv zu werten, denn es ist ein Zeichen dafür, dass das Nervensystem nachts aus dem Stressmodus (Sympathikus) in den Ruhe- und Entspannungsmodus (Parasympathikus) umschaltet. Das zeigte sich übrigens auch an dem niedrigeren nächtlichen Cortisolspiegel der fastenden Probanden; denn der Spiegel des Stress- und Wachheitshormons Cortisol ist gerade bei schlafgestörten Menschen, die ein stressiges Leben führen, auch nachts zu hoch.
Menschen, bei denen der Blutdruck nachts absinkt, haben nachweislich ein niedrigeres Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Auch die nächtliche Abnahme der Herzfrequenz ist für unseren Körper sehr gesund, denn dadurch wird das Herz entlastet. Dank des niedrigeren Blutdrucks pumpten die Herzen der Probanden in dieser Studie also nicht nur mit weniger Druck, sondern schlugen auch langsamer und konnten sich dadurch in der Nacht vom Stress des Tages erholen.
Niedrigeres Diabetesrisiko
Außerdem verbesserte sich bei den Probanden, die vor dem Schlafengehen gefastet hatten, auch die morgendliche Glukosetoleranz. Darunter versteht man die Fähigkeit, auf die Zufuhr einer bestimmten Menge an Traubenzucker (Glukose) nicht mit einem übermäßigen Blutzuckeranstieg zu reagieren. Dies lässt sich mithilfe eines Glukosetoleranztests leicht feststellen. Dabei muss der Patient morgens nüchtern in die Praxis kommen, und es wird überprüft, ob die Zufuhr einer genau festgelegten Menge Traubenzucker bei ihm zu einem übermäßigen Blutzuckeranstieg führt. Eine Glukosetoleranzstörung liegt vor, wenn der Blutzucker zwei Stunden nach Beginn des Tests noch über 140 mg/dl liegt.
Zu einer solchen Störung kommt es, wenn unsere Zellen nicht mehr so gut auf das Hormon Insulin ansprechen, das die Aufgabe hat, den mit der Nahrung aufgenommenen Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Diese sogenannte Insulinresistenz ist die Hauptursache eines Typ-2-Diabetes: Sie führt dazu, dass die Betazellen der Bauchspeicheldrüse mit der Zeit immer mehr Insulin ausschütten müssen, bis sie irgendwann „schlapp machen“, weil sie mit der Insulinproduktion nicht mehr nachkommen.
Nicht aus jeder Glukosetoleranzstörung entwickelt sich zwangsläufig ein Typ-2-Diabetes. Man geht aber davon aus, dass das Diabetesrisiko bei Menschen mit gestörter Glukosetoleranz um das Zehnfache erhöht ist. Dass die Probanden, die vor dem Schlafengehen drei Stunden fasteten, eine bessere morgendliche Glukosetoleranz hatten, ist also ebenfalls ein sehr gutes Zeichen: Es deutet auf einen gesunden Stoffwechsel und ein niedrigeres Diabetesrisiko hin. Und all diese Veränderungen waren innerhalb eines Zeitraums von nur siebeneinhalb Wochen eingetreten!
„Diese Erkenntnisse bieten einen echten Mehrwert für die medizinische Praxis“, schreiben die Autoren der Studie, „vor allem für Menschen in mittlerem bis höherem Alter, die ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes haben.“
Und dieses Fastenprogramm durchzuhalten, ist auch gar nicht so schwierig: Fast 90 % der Probanden haben sich daran gehalten. Somit ist Fasten vor dem Schlafengehen, wie die Studienautoren betonen, „eine leicht umsetzbare Methode, um das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen ganz ohne Medikamente zu senken.“
Quelle:
Grimaldi D, Reid KJ, Abbott SM, Knutson KL, Zee PC. Sleep-Aligned Extended Overnight Fasting Improves Nighttime and Daytime Cardiometabolic Function. Arterioscler Thromb Vasc Biol. 2026 Apr;46(4):e323355. doi: 10.1161/ATVBAHA.125.323355. Epub 2026 Feb 12. PMID: 41674465; PMCID: PMC13014689.